„Was im Internet steht, hat vorher jemand auf die Richtigkeit überprüft.“

Freitag, 30. November 2007

JIM-Studie 2007

… das glauben einer heute veröffentlichten Studie zufolge 26 Prozent der Jugendlichen in Deutschland.

Die JIM-Studie untersucht bereits seit 1998 den Umgang Jugendlicher mit Medien. Dabei wurden im Auftrag des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest in diesem Jahr mehr als 1.200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren befragt. Der diesjährige thematische Schwerpunkt lag auf der Nutzung von Web 2.0 Angeboten. Zum Web 2.0 werden Dienste wie Wikipedia, flickr, YouTube oder Weblogs gezählt, die jedem Internetnutzer die Publikation eigener Inhalte (Texte, Fotos, Videos, …) ermöglichen.

Zur Informationskompetenz sollte in der Befragung die oben genannte Aussage (siehe Seite 48 ) bewertet werden. Es zeigte sich, dass das bedingungslose Vetrauen in die Verlässlichkeit der im Internet veröffentlichten Inhalte mit steigendem Alter abnimmt – anders gesagt: die Jugendlichen werden kritischer je älter sie sind; in der Gruppe der 18 bis 19 sind es aber immer noch 15 Prozent. Einfluss auf die Fähigkeit zur Überprüfung hat auch das Bildungsniveau: Während 35 Prozent der Hauptschüler Informationen aus dem Internet ungeprüft vertrauen, sind es bei den Realschülern noch 30 Prozent. In der Studie heißt es weiter:

bei den Gymnasiasten sind es zwar deutlich weniger, mit 20 Prozent aber auch hier zu viele.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die komplette Studie gibt es hier (PDF).


USA Schlusslicht bei Informationskompetenz

Donnerstag, 29. November 2007

Wer geglaubt hat, dass die Vereinigten Staaten bei der Vermittlung von Informationskompetenz eine Vorreiterrolle inne haben, der hat sich getäuscht. Das zumindest lässt eine aktuelle Meldung aus mehreren amerikanischen Schulen vermuten. Dort hat man das Problem Wikipedia erkannt: Schüler übernehmen ungeprüft Texte aus der online Enzyklopädie und geben sie als eigene Arbeiten aus. Zur Lösung des Problems haben einige Schulen den Zugriff auf Wikipedia nun blockiert, schreibt derStandard.at.

TechRepublic ergänzt, dass Wikipdia aus Sicht der Lehrer „zu einfach zu nutzen sei“. Damit wird ein großer Vorteil der online und frei verfügbaren Informationen zum Nachteil erklärt.

Natürlich, Informationen dürfen nicht ungeprüft übernommen werden oder gar wörtlich abgeschrieben werden. Und natürlich enthält auch die Wikipedia immer mal wieder falsche oder widersprüchliche Informationen. Doch mit der erfolgten Zensur oder einem Verbot der Wikipedia für schulisches Arbeiten ist keinem geholfen. Das Problem ist nämlich nicht die Wikipedia, sondern die Informationskompetenz der Schüler: Das Überprüfen und Hinterfragen von Informationen muss so selbstverständlich werden wie die Tastenkombinationen Strg+C und Strg+V.

Und der Wahnsinn geht noch weiter: Ausgerechnet eine Schulbibliothekarin beklebt die Computer der Schulbibliotheken mit „Just Say ‘No’ to Wikipedia“-Aufklebern! Etwas mehr Kreativität hätte man sich schon gewünscht …

Glücklicherweise wird das Thema hier wie dort heftig diskutiert:

http://www.profy.com/2007/11/28/schools-move-to-ban-wikipedia-as-unverified-reference/

http://blog.seattlepi.nwsource.com/chalkboard/archives/126657.asp

http://derstandard.at/Text/?id=3129549&_view=forum


Kompetente Informationssuche im World Wide Web

Samstag, 24. November 2007

Der Dissertation von Tina Schorr liegt u.a. die Annahme zu Grunde, dass

die Effektivität der … häufig eingesetzten Internetführerscheine anzuzweifeln ist. Solche Internetführerscheine sind nämlich meist durch eine starke Technikorientierung gekennzeichnet, welche zu Lasten der – aus psychologischer Sicht entscheidenden – Wissensvermittlung zum kompetenten Umgang mit Informationen geht.

Zwar wird der Begriff „Informationskompetenz“ in der Arbeit nicht explizit genannt – das Konzept, das hinter dem dort beschriebenen Informationsprozess im WWW steht, lässt sich dennoch darauf zurückführen (S. 87):

  1. Definition des Informationsproblems
  2. Suche nach geeigneten Informationsquellen
  3. Beurteilung gefundener Informationen nach Relevanz und Qualität
  4. Verarbeitung von Informationen
  5. Organisation und Präsentation von Informationen

Schorr, Tina: Kompetente Informationssuche im World Wide Web. Entwicklung und Evaluation eines Webtrainings für Schüler / von Tina Schorr, 2005. – XIII, 360 S. Ill., graph. Darst. & 1 CD-ROM
Tübingen, Univ., Diss., 2005

Die Dissertation ist abrufbar unter: http://w210.ub.uni-tuebingen.de/dbt/volltexte/2005/1990/

Das Webtraining für Schüler (Präsentationsfolien) findet sich unter: http://www.tinaschorr.de/KIS-WEB/index.htm


Die perfekte Schule

Freitag, 23. November 2007

Schule

Immer wieder wird von innovativen Schulprojekten berichtet. Aber wie sieht sie aus, die perfekte Schule? Auf diese Frage gibt es natürlich keine allgemeingültige – geschweige denn allgemein anerkannte – Antwort. Dennoch fällt auf, dass eine funktionierende Schulbibliothek immer wieder als Voraussetzung genannt wird.

Ein Beispiel aus Salzburg vom „Akademischen Gymnasium auf dem Rainberg„:

Es gibt zudem eine große und hervorragend bestückte Bibliothek mit Internetzugang, zugänglich für alle Benutzer. Die Bibliothek wird elektronisch verwaltet (Katalog, Ausweis) und aus dem Bibliotheksbudget regelmäßig erweitert.

Besonders wichtig scheint mir der letzte Punkt: die gute finanzielle Ausstattung, die eine nachhaltige Schulbibliothek ermöglicht. Denn mit einer einmaligen Finanzspritze ist es nicht getan …


Schulbibliotheken in Deutschland

Freitag, 16. November 2007

15prozent.jpg

Es kommt ja recht selten vor, dass Bibliotheken Thema in den Medien sind. Deutschlandradio Kultur macht eine Ausnahme und berichtet kurz über schlechte Ausstattung und schwierigen Stand der Schulbibliotheken in unserem Land. Leider wird auch in diesem Bericht die nicht zu beweisende Zahl von 15 Prozent der Schulen, die angeblich eine Schulbibliothek haben sollen wiederholt:

Nur wenige Schulen (etwa 15 Prozent) haben Bibliotheken, und nicht alle davon verdienen den Namen.

Ein wirklicher Beleg für diesen Prozentsatz wird – mal wieder – nicht geliefert. Dabei gibt es die alte journalistische Regel, die besagt, dass jede Information aus zwei voneinander unabhängigen Quellen belegt werden soll. Es scheint Deutschlandradio Kultur da ähnlich zu gehen wie den Fachleuten: Die einmal in die Welt gesetzte Zahl überlebt nun schon seit mehreren Jahren – und einer schreibt sie vom anderen ab …